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Das Serendipitätsprinzip oder “etwas herausfinden, was man nicht gesucht hat”

Eine meiner wichtigsten Strategien ist es, die Wahrscheinlichkeit von Unwahrscheinlichkeiten zu erhöhen. Darauf hat mich mein Freund Ago gebracht, der sich viel mit Luhmanns Systemtheorie befasst hat (etwas was auch auf meiner Lernliste steht).

Das klingt erst mal kompliziert, aber es ist im Grunde ganz einfach und das kennt vielleicht jeder. In Deutschland nennt man es oft “Glück im Unglück” oder “glücklicher Zufall”. Weder die Entdeckung Amerikas durch Columbus noch das Finden von Penicillin war beabsichtigt. In so einem Fall spricht man von Serendipität.

Ein Beispiel von meinem USA-Trip: Ich stand ohne Schlafplatz da und ging deshalb abends zu Occupy Wall Street um dort zu schlafen oder besser eine Couch zu finden. Dabei traf ich auf zwei österreichische Filmemacher, denen ich dann eine Woche lang beim Filmen half und nebenbei noch spannende Menschen traf. Ich lernte extrem viel, womit ich nicht gerechnet hatte, was ich nicht geplant hatte.

Besonders spannend finde ich aber, dass dies zwar zweifelsohne ein Zufall war, aber ich diesen Zufall auch provoziert habe. Da ich zum einen etwas Experimentelles gemacht habe, nämlich mit AirBnB buchen, kam es dazu, dass ich kein Zimmer hatte. Dann hätte ich auch überall sonst hingehen können oder in den sauren Apfel beißen und ein Bett für 200$ mieten können. Aber ich entschied mich für das Occupy Camp, weil ich wusste, dass bei idealistischen und vernetzten Menschen die glücklichen Zufälle wahrscheinlicher sind.

Es gibt einfach Orte, an denen diese unwahrscheinlichen Ereignisse wahrscheinlicher sind. Wer abends alleine eine Folge von “How i met your mother” guckt, hat nur geringe Chancen auf einen glücklichen Zufall. Wer aber auf eine Konferenz geht und sich dort mit neuen Leuten unterhält kann sehr viel eher einen solchen Zufall provozieren.
Das ist auch ein Grund, warum ich nicht so gerne in Hotels gehe, sondern eine Couch oder ein Hostel bevorzuge. Man trifft dort einfach auf viel offenere Menschen und das führt zu Zufällen.

Ein weiteres Beispiel ist einfach bloggen. Ihr glaubt nicht, wen ich alles kennengelernt habe, weil ich gefunden wurde. Aber nur weil ich gerne zu Themen schreibe, die mich interessieren und dabei meist eine ganz eigene Meinung vertrete passieren diese Zufälle. Einmal habe ich es damit sogar in ein Buch (Macrowikinomics) geschafft.

In den nächsten Wochen, werde ich bei der Gutenberg Academy dann auch noch einen Beitrag zum Downtown Project in Las Vegas veröffentlichen. In dem Projekt will Tony Hsieh von Zappos einen ganzen Stadtteil bauen, der systematisch zu glücklichen Zufällen führen soll. Ich bin schon sehr gespannt, wie es dort weiter geht.

Chance favors the prepared mind
Louis Pasteur

Also, wie schaut’s aus? Ich werde weiter versuchen der Serendipität auf die Sprünge zu helfen um mehr über die Unknown Unknows zu erfahren. Welche Tipps habt ihr um dem Zufall auf die Sprünge zu helfen?

Zum Abschluss habe ich noch ein Zitat von einer Rede vor der Nato, das das Thema gut auf den Punkt bringt:

There are things we know that we know. There are known unknowns. That is to say there are things that we now know we don’t know. But there are also unknown unknowns. There are things we don’t know we don’t know. So when we do the best we can and we pull all this information together, and we then say well that’s basically what we see as the situation, that is really only the known knowns and the known unknowns. And each year, we discover a few more of those unknown unknowns.

Donald Rumsfeld

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